Die Erwartungen an CFOs verändern sich rasant. Wo früher vor allem Buchführung, Kostenkontrolle und Kennzahlenpflege gefragt waren, zählt heute unternehmerisches Denken. Der Finanzchef ist nicht mehr nur Verwalter, sondern Partner der Geschäftsleitung, Mitgestalter von Zukunftsplänen und Treiber digitaler Transformation. In der Praxis bedeutet das: weniger operative Belastung, mehr strategische Verantwortung. Doch genau hier liegt der Engpass. Viele CFOs jonglieren nach wie vor mit Detailaufgaben, die längst delegiert werden könnten. Sie stecken Zeit in operative Buchhaltungsprozesse, kümmern sich um Abrechnungsdetails oder kontrollieren Personalkosten auf Belegebene. Die Folge: Der Raum für Führung, Innovation und Weitblick schrumpft – obwohl genau das heute von einer modernen Finanzleitung erwartet wird.
Strategische Prioritäten statt Rückwärtsbetrachtung
Ein CFO, der sich vor allem mit Vergangenem beschäftigt, bleibt hinter den Anforderungen zurück. Stattdessen rückt die Zukunftsorientierung in den Mittelpunkt: Welche Finanzierungsstruktur passt zum geplanten Wachstum? Wie lassen sich Investitionen optimieren? Wo liegen Risiken in der aktuellen Marktstrategie? Wer hier auf Augenhöhe mit CEO und Geschäftsleitung agiert, braucht Zeit – und den Mut, operative Aufgaben konsequent auszulagern. Das gilt besonders in mittelständischen Unternehmen, wo die Trennung zwischen Führung und Fachaufgabe oft verwischt. Wer als CFO strategisch arbeiten will, muss sich auf Analysen, Business Cases, Szenarien und Steuerungsinstrumente konzentrieren können. Excel-Korrekturen, Lohnabrechnungskontrollen oder Monatsabschlüsse gehören delegiert – an Fachabteilungen, automatisierte Tools oder externe Partner. Der Weg dorthin beginnt mit klarer Rollendefinition.
Entlastung durch externe Lohnbuchhaltung
Ein Paradebeispiel für strategisch sinnvolles Outsourcing ist die externe Lohnbuchhaltung. Sie übernimmt nicht nur die monatliche Abrechnung von Gehältern und Sozialabgaben, sondern auch die Kommunikation mit Krankenkassen, Behörden und Sozialversicherungsträgern. Für CFOs bedeutet das: mehr Verlässlichkeit bei weniger Aufwand. Fristen, Änderungen im Steuerrecht oder komplizierte Sonderregelungen liegen beim Dienstleister – nicht im eigenen Verantwortungsbereich. Hinzu kommt die Risikominimierung. Fehler in der Lohnabrechnung können rechtliche Folgen haben, das Vertrauen der Mitarbeitenden beschädigen oder zu Nachzahlungen führen. Externe Lohnbüros arbeiten nach klar definierten Standards, sind haftpflichtversichert und oft besser digital aufgestellt als interne Lösungen. Wer hier auslagert, schafft nicht nur Freiraum, sondern erhöht auch die Qualität der Prozesse. Für CFOs, die sich aus dem Tagesgeschäft lösen wollen, ist das ein konsequenter Schritt.
Checkliste: So gelingt der strategische Shift
Bereich | Maßnahme |
---|---|
Rollenklärung | Fokus auf Steuerung, Strategie und Geschäftsmodell |
Aufgabenkritik | Regelmäßig operative Tätigkeiten hinterfragen und abgeben |
Outsourcing nutzen | Externe Lohnbuchhaltung, Steuerberater, digitale Tools einbinden |
Kommunikation stärken | CFO als Sparringspartner von Geschäftsleitung und Investoren positionieren |
Prozesse standardisieren | Delegierbare Abläufe klar strukturieren und dokumentieren |
Führung ausbauen | Zeit für Personalverantwortung, Coaching und Teamweiterentwicklung |
KPI-Fokus schärfen | Relevante Steuerungskennzahlen im Blick behalten, nicht im Detail verlieren |
Digitalisierung treiben | CFO als Treiber für Automatisierung und datenbasierte Entscheidungen |
Interview mit CFO Bernd Keller
Bernd Keller ist CFO eines wachsenden Industrieunternehmens mit rund 250 Mitarbeitenden und verantwortet neben Finanzen auch IT und Personal.
Wie hat sich deine Rolle in den letzten Jahren verändert?
„Früher war ich stark in die operative Buchhaltung eingebunden, oft auch in die Lohnabrechnung. Heute geht es viel mehr um Steuerung, Planung und die Ausrichtung auf neue Märkte. Der strategische Fokus ist deutlich gewachsen.“
Was war der entscheidende Punkt, operativ abzugeben?
„Ich habe gemerkt, dass mir die Zeit fehlt, um größere Themen wirklich durchzudenken. Also habe ich analysiert, was ich delegieren kann. Die externe Lohnbuchhaltung war ein logischer Schritt – nicht nur zur Entlastung, sondern wegen der höheren Zuverlässigkeit.“
Gab es Bedenken bei der Auslagerung?
„Natürlich. Gerade bei sensiblen Daten will man nichts falsch machen. Aber mit einem seriösen Partner, klaren Prozessen und vertraglicher Absicherung war das schnell kein Thema mehr.“
Wie profitiert dein Team von der neuen Aufstellung?
„Wir haben heute mehr Zeit für Gespräche, Entscheidungen und Verbesserungen. Es gibt weniger Stress durch Fristen und Korrekturen. Das Team arbeitet selbstständiger, ich habe mehr Überblick.“
Welche Tipps gibst du anderen CFOs, die noch zu tief im Tagesgeschäft stecken?
„Mut zur Abgabe. Kontrolle ist gut, aber Vertrauen und Prozesse bringen mehr. Wer sich auf die richtigen Themen fokussiert, entwickelt sich schneller weiter – persönlich wie im Unternehmen.“
Welche Rolle spielt externe Lohnbuchhaltung konkret?
„Sie ist Teil eines Systems. Wir haben einen festen Ansprechpartner, definierte Abläufe und monatliche Übergabetermine. Ich bin informiert, aber nicht mehr involviert. Das bringt Ruhe – und das zahlt sich jeden Tag aus.“
Herzlichen Dank für das offene Gespräch.
Karrieren entstehen nicht im Klein-Klein
Wer heute CFO ist, steht im Zentrum unternehmerischer Entscheidungen. Ob Finanzierung, Expansion, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit – überall wird Finanzkompetenz gebraucht. Wer diese Rolle voll ausfüllen will, braucht Zeit für Überblick, Planung und Führung. Operative Aufgaben blockieren diesen Raum. Sie sind wichtig, aber delegierbar. Wer das erkennt, kann seine Rolle neu denken – und aktiv gestalten. Die Verantwortung des CFOs liegt nicht im Kontrollieren einzelner Prozesse, sondern im Entwickeln von Systemen, die dauerhaft funktionieren. Externe Partner wie Lohnbüros, digitale Tools und strukturierte Teams helfen dabei. So entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem strategisches Denken nicht nur möglich, sondern gefordert ist. Wer als CFO dorthin will, sollte anfangen, konsequent abzugeben – und selbst den nächsten Schritt zu machen.
Bildnachweise:
motortion– stock.adobe.com
Marco Attano– stock.adobe.com
Pete – stock.adobe.com